SchlossGartenFest in Stavenhagen 2017

Elke Baum   *   Kunsthandwerker-Agentur
Theodor-Storm-Straße 8   *   22946 Trittau
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Rückschau

Rückblick auf das SchlossGartenFest in der Reuterstadt Stavenhagen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte am 17. und 18. Juni vor dem Schloss und meine ganz persönlichen Veranstaltungs- Erfahrungen in den neuen Bundesländern

Ich kenne Ostdeutschland noch als die Mauer durch unser Land lief. Manchmal haben wir dort auch bei der Familie von dem „Mann an meiner Seite“ zehn Tage in der Nähe von Leipzig Urlaub gemacht. Was haben wir diskutiert – immer in unserem Auto damit keiner mithören konnte.

Wenn ich jetzt in die neuen Bundesländer fahre, bin ich richtig stolz auf uns Deutsche und unser Land. Vieles ist natürlich anders gelaufen als wir alle es uns vorgestellt haben – aber das meiste eben doch gelungen.

Meine Erfahrungen als Veranstalterin im Osten halten sich in Grenzen. Ich hatte auch nie vor, dort Märktemäßig sesshaft zu werden oder den ostdeutschen Veranstaltern ihre Chancen zu nehmen. Obwohl wir schon kurz nach dem Mauerfall für Trittaus Partnerschaftsstadt Gadebusch auf Bitten der damaligen Bürgermeisterin zwei Kunsthandwerkermärkte infolge auf dem Schlosshof organisiert hatten. Eigentlich die ersten überhaupt im Osten. Ich war damals total begeistert von den schönen Keramiken der ostdeutschen Töpfer, und sie stehen heute noch in meinen Regalen.

Später nach der IGA (internationalen Gartenbauausstellung) 2004 wurde ich in das Büro vom Großmarkt Rostock eingeladen. Gerne sollte ich dort eine Veranstaltung in dem IGA Park organisieren. „Das machst du nicht“, sagte „der Mann an meiner Seite“ nachdem wir die Veranstaltungsfläche besichtigt hatten. „Du nimmst den Menschen dort nicht die Arbeit“. Und dabei blieb es auch.

Das ist lange her. Der damalige langjährige Bremer Geschäftsführer der Großmarkt GmbH, Jörg Vogt, verließ 2014 nach 25 Jahren den Großmarkt Rostock und wurde Erlebnis-Chef für die gesamten Vergnügungsparks Karls.

Einen Kunsthandwerkermarkt haben wir dann 2014 auf dem Marktplatz - als Ausgleichstermin für unsere Märkte in Laboe - als dort der Hafen umgebaut wurde, in Schwerin organisiert.

Das führte zu sehr unschönen – heute noch auf Google nachzulesenden Kommentaren einer 2004 in den Norden gezogenen Veranstalterin aus Nordrhein- Westfalen die sich seitdem von uns verfolgt fühlt – obwohl dokumentiert - wir seit 1980 im Norden Märkte organisieren und ebenfalls seit 2002 kunsthandwerkliche Märkte an Nord- und Ostsee.

Wir haben anschließend 2015 ein bis auf den letzten Platz ausverkauftes Konzert mit Quadro Nuevo im Februar in der Markthalle in Wismar organisiert. Die Fans kamen sogar mit einem Bus aus Trittau beim übelsten stürmischen Winterwetter. Dann gab es wenige kleine Märkte 2015/16 in der Markthalle Wismar. Auch dort haben wir uns zurzeit zurückgezogen, weil wir nicht den Termin bekamen, an dem sich auch die Touristen in Wismar aufhalten. Ja, und unser kleiner Markt in Thiessow auf der Insel Rügen hatte es dann wirklich in sich. Die Besucher waren toll – über das ABER möchte ich jedoch nicht öffentlich resümieren.

So kann ich für mich sagen. Es gibt nur eine schnuckelige kleine attraktive Fläche in Mecklenburg- Vorpommern auf der ich gerne einen kleinen attraktiven Markt organisieren würde. Die gibt dort aber keiner frei. Das haben mir auch noch einmal die Projektleiter des Großmarktes Rostock bestätigt. Denn sie sind der eigentliche „Platzhirsch“ in Mecklenburg- Vorpommern und beginnen jetzt mit ihren Schaustellern und Ausstellern ihre Sommertour an den schönsten Küstenplätzen in Mecklenburg- Vorpommern. Allerdings organisieren sie keine kunsthandwerklichen Märkte. Bekannt für hochwertige Kunst- und Töpfermärkte in Mecklenburg-Vorpommern ist die City Agentur Schumann aus Rostock.

Aber und nun kommt das ABER. Ich habe mich lange mit dem Hotelmanager unseres Hotels „Reutereiche“ in der Reuterstadt Stavenhagen im Landkreis Mecklenburger Seenplatte unterhalten. Nach der Wende wurde alles und jedes und noch so schlechte Veranstaltung im Osten von Menschenmassen besucht und honoriert. Das ist 25 Jahre her und die Besucher von damals sind heute 25 Jahre älter. Viele von ihnen haben genug von Veranstaltungen und ziehen anderes vor. Die jüngere Generation geht über Märkte mit dem Blick auf das Handy. Sie fotografieren – posten auf Facebook was sie gerade sehen und wissen eigentlich gar nicht wo sie sind. Dann gibt es meine Generation. Die besitzen alles, suchen möglichst eine Bank, wo sie bequem „Leute gucken“ können. Vorher essen sie noch zuhause, um dann auch nichts verzehren zu müssen oder sie tragen in ihren Rucksäcken Wasserflaschen mit sich herum und besetzen die Bänke der Gastronomen. Vor den Bühnen holen sie genüsslich ihre Wasserflaschen aus ihren Rucksäcken und ein Brot aus der Tupperbrotdose.

Die Marktkultur hat sich verändert und das nicht zum Besten. Und das wird in den nächsten Jahren nicht besser, denn dann sterben die „Braunen und Beigen“ ohne Rücksäcke auch noch aus, die unbekümmert ihre guten Pensionen und Renten für Essen und Trinken oder etwas Schönes zum Verschenken ausgeben konnten.

Alles DAS ging mir durch den Kopf als ich von unserem attraktiven kleinen Markt vor dem Schloss in Stavenhagen stand und auf das 1. SchlossGartenfest in Stavenhagen und den Schlosspark hinunter blickte. Barockfeuerwerk am Freitagabend, Konzerte und Musik über drei Tage und eine Werbung vom Feinsten. Schon 20 km vor Stavenhagen hingen Plakate. Ich weiß nicht wie viele hunderte Plakate die Stadt hat aufhängen lassen, Medienberichte und Radiowerbung zusätzlich. Mehr Werbung ging wirklich nicht. Wir haben noch von den kunsthandwerklich interessierten Besuchern am Samstag profitiert, aber für den Werbeeinsatz der Stadt Stavenhagen kamen einfach zu wenige Besucher.

Unser „Star“ war natürlich Tadeusz der an einer großen Holzfigur arbeitete. „Ich komme mir vor wie in einem Käfig“, lachte er. Denn er war ständig von Besuchern umringt. Genauso wie seine Skulpturen. Er ist und bleibt ein toller Typ.
„Dem Umfeld geht es hier gut. Die Wirtschaft floriert ...", so auch der Projektleiter Jörg Lange vom Großmarkt Rostock ein wenig enttäuscht. „Es gibt einfach zu viele Veranstaltungen. Die Leute haben darauf keine Lust mehr“, so der Hotelmanager vom Hotel Reutereiche. Da kann ich ja wirklich froh sein, in Trittau geblieben zu sein. Und trotzdem – Mecklenburg- Vorpommern gefällt mir einfach nur gut. Und als Urlauber sowieso.

Ihre
Elke Baum